Gefeuert wegen sexueller Anzüglichkeiten – Bundesarbeitsgericht verstärkt den Schutz vor sexueller Belästigung

Anzüglichkeiten am Arbeitsplatz sind nichts Ungewöhnliches, was es aber nicht besser macht. Rechtlich gesehen ist fast jede Anzüglichkeit eine sexuelle Belästigung im Job und damit viel mehr als nur Neckerei.

Und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist grundsätzlich ein schwerwiegender Verstoß gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten und kann arbeitsrechtliche Konsequenzen von der Ermahnung über die Abmahnung bis hin zur fristgerechten Kündigung oder auch der fristlosen Kündigung ohne vorherige Abmahnung nach sich ziehen.

In einem jetzt vom Bundesarbeitsgericht (BAG) in letzter Instanz entschiedenen Fall ging es um die fristlose Kündigung eines Einkäufers, der zunächst einer Kollegin an den Hintern gefasst hatte und dafür abgemahnt worden war. Trotz der Abmahnung erlaubte er sich weiter sexuelle Anzüglichkeiten gegenüber anderen Kolleginnen und wurde fristlos entlassen.

Zu recht, wie das Bundesarbeitsgericht jetzt entschied.

In ihrem Urteil stellten die Erfurter Richter unmissverständlich klar, dass es in der Verpflichtung des Arbeitgebers liegt, seine Mitarbeiterinnen oder auch Mitarbeiter vor sexuellen Übergriffen zu schützen.

Die sexuellen Andeutungen bewerteten die Richter am BAG als erhebliche Grenzüberschreitung und als Erniedrigung der betroffenen Kolleginnen. Die fristlose Kündigung war damit die genau richtige Reaktion des Arbeitgebers.

Quelle: Bundesarbeitsgericht – Urteil vom 9.06.2011 – Az. 2 AZR 323/10