Chef als Wichser beschimpft – Kündigung unwirksam

Die Beleidigung eines Vorgesetzten ist grundsätzlich eine schwere Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten und kann unter Umständen eine fristlose Kündigung (verhaltensbedingte Kündigung) des Arbeitsvertrages auch ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen.
Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz (LAG Koblenz) hat diesen Grundsatz in einer aktuellen Entscheidung in erwähnenswerter Art und Weise eingeschränkt.

 

Ein Arbeitnehmer hatte seinen Vorgesetzten im Rahmen einer Streitigkeit als „Wichser“ bezeichnet. Der Arbeitgeber hatte ihn daraufhin aus verhaltensbedingten Gründen entlassen – fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses.
Interessanterweise nach Ansicht der Koblenzer Richter zu Unrecht. Wie das LAG Koblenz jetzt in zweiter Instanz entschieden hat. Zwar stelle eine derartige Beleidigung eine schwere Ehrverletzung dar; die fristlose Kündigung sei aber dennoch unverhältnismäßig, da eine Abmahnung geeignet gewesen wäre auf den Arbeitnehmer einzuwirken und dadurch einer Wiederholung vorzubeugen. Nicht einmal eine fristgerechte Kündigung (ordentliche Kündigung) hielten die Richter für gerechtfertigt. Eine Kündigung sei schlicht eine zu harte Strafe.
Nicht unbedingt zu erwarten … könnte man sagen.

 

Quelle: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz,  Urteil vom 18.08.2011, Az 2 Sa 232/11
Rechtsanwalt Nils von Bergner
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